Seit inzwischen rund vier Monaten hält das Corona-Virus schon die Welt in Atem; sowohl im Privaten als auch im Geschäftsleben. Während sich die Arbeit bis zum Lockdown noch überwiegend im Büro des Unternehmens abgespielt hatte, wurde nun vielerorts darüber entschieden, ob das Homeoffice keine Alternative ist. Nicht selten wurde dies auch tatsächlich so umgesetzt. In den Sozialen Netzwerken wurde daraufhin häufig darüber diskutiert, ob man die Arbeit im Homeoffice nicht auch dann noch so beibehalten sollte, wenn die Pandemie ausgestanden ist.

So schön dieser Gedanke auch sein mag: Kein Arbeitgeber wird es auf Dauer mitmachen, seine Mitarbeiter vollständig ins Homeoffice zu entlassen. Werfen wir allerdings einmal einen Blick auf die aktuelle Gesamtsituation in puncto Arbeitsbedingungen, dann dürfte man ganz schnell zu dem Schluss kommen, dass sich der Arbeitsplatz der Zukunft irgendwo dazwischen befinden wird. Die Arbeit wird sich also zwar auch weiterhin noch weitestgehend im Betrieb abspielen, aber dennoch auch weiterhin recht flexibel gestaltet werden, indem die Mitarbeiter zumindest für einige Tage im Monat ins Home Office geschickt werden.

Selbstverwirklichung und Autonomie sind gefragter denn je

Nicht erst seit der Corona-Krise, sondern bereits seit rund 40 Jahren zeichnet sich ab, dass die Ansprüche der Mitarbeiter an ihre Arbeit einem deutlichen Wandel unterliegt. Früher waren innerbetriebliche Aufstiegsmöglichkeiten noch immens wichtig, um sich die üblichen Dinge leisten zu können: Haus, Auto, Urlaub. Mittlerweile liegen die Prioritäten jedoch weitestgehend woanders, denn heute stehen die Selbstverwirklichung und autonomes Arbeiten an vorderster Stelle. Lapidar gesagt geht es nicht mehr einfach nur darum, Geld zu verdienen. Vielmehr soll die Arbeit interessant und individuell sein und Spaß machen, statt einfach nur stupide zu sein.

Ein klarer Wandel hat sich bereits dahingehend gezeigt, dass es in vielen Betrieben keine festen Arbeitszeiten mehr gibt. Die Arbeitsbedingungen wurden gelockert und anstelle starrer Arbeitszeitmodelle gibt es inzwischen die Möglichkeit der Gleitzeit oder sogar zum Homeoffice. Statt im Einzelbüro zu sitzen werden heute vermehrt Desksharing und Coworking Spaces genutzt. Innerhalb des Unternehmens hat sich inzwischen stark digitalisiert. Statt sich in großen Besprechungsräumen zu treffen und dafür mitunter sogar extra in ein Flugzeug zu steigen, am an einem Meeting teilzunehmen, greifen die Unternehmen vermehrt zu Kommunikationstools wie zum Beispiel Skype, Zoom, Adobe Connect oder Citrix GoToMeeting. Auch der Kontakt zum Kunden findet inzwischen häufig über digitale Kanäle statt.

Die Arbeitgeber gestehen ihren Mitarbeitern zumindest dort, wo es möglich ist, sehr wohl flexible Arbeitszeiten zu und auch der Arbeitsplatz selbst wird inzwischen immer flexibler gestaltet. Manche Unternehmen haben sogar nicht einmal mehr eigene Büros, sondern buchen bei Bedarf ein Mietbüro. Dem gegenüber steht aber dennoch die Anforderung an die Mitarbeiter, mehr Präsenz im Unternehmen zu zeigen. Zwar verfügen die Mitarbeiter also um einen deutlich größeren Entscheidungsspielraum, wenn es um den Arbeitsbeginn oder den Feierabend geht und ob sie nun im Unternehmen oder im Home Office arbeiten möchten. Gleichzeitig müssen sie aber dennoch präsent sein und auch die Privatsphäre geht auf der Arbeit oftmals verloren, da kaum noch jemand über sein ganz eigenes Büro verfügen kann.

Die moderne Arbeitswelt und ihre negativen Auswirkungen

So schön die moderne Arbeitswelt für viele Mitarbeiter auch ist, sie bringt auch einige negative Aspekte mit sich. Eine davon ist etwa, dass der Tendenz zum Home Office in gewisser Weise ein Riegel vorgeschoben wird. Auch die Kontrolle und Überwachung innerhalb des Unternehmens nimmt zu. Grundsätzlich bedeutet dies also interessanterweise, dass sich die neu gewonnene Freiheit der Mitarbeiter in gewisser Weise auch negativ auswirken kann, wenngleich sie in den meisten Fällen doch eher positiv dargestellt wird. In der heutigen Zeit, in der sich mehrere Mitarbeiter ein Büro teilen und kein eigenes Büro mehr haben, sogeschen also ständig auf dem Präsentierteller sitzen, fühlen sie sich immer häufiger unter ständiger Beobachtung. Manche Beschäftigte sehen in ihren Kollegen inzwischen vielmehr einen Konkurrenten, der einen ständig überwacht. Daher klingt es fast schon ein wenig absurd, dass die Abschaffung der Einzelbüros ein Zugewinn sein und mehr Freiheit für die Mitarbeiter bedeuten sollen.

Hinzu kommt, dass sich einige Arbeitgeber teilweise recht widerspenstig weigern, ihren Beschäftigten die Möglichkeit verwehren, von Zuhause aus arbeiten zu können. Dabei wäre die Umsetzung dahingehend doch eigentlich recht einfach möglich, zumal die meisten Mitarbeiter heutzutage ohnehin nur noch mit Laptops ausgestattet werden, was die Mobilität deutlich steigert. Auch die technischen Möglichkeiten innerhalb der IT-Infrastruktur der Unternehmen verleihen den Beschäftigten gleich viel mehr Flexibilität. Über eine sichere VPN-Verbindung können die Mitarbeiter problemlos von jedem beliebigen Ort aus arbeiten; somit auch vom Home-Office aus. Doch würde dies auch bedeuten, dass das Kontrollbedürfnis der Arbeitgeber in einem gewissen Maß eingeschränkt wird.

Der Status quo lässt vermuten, dass der Arbeitsplatz der Zukunft tatsächlich doch weniger Möglichkeiten bietet, mehr Autonomie zu erhalten, als bislang gedacht. Um dies tatsächlich zu erreichen, müsste es bei den Arbeitgebern ein Umdenken geben, von der erzwungenen Präsenz am Arbeitsplatz abzusehen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, dann wäre zumindest denkbar, dass die Beschäftigten wenigstens einen Tag in der Woche im Homeoffice arbeiten könnten oder sogar im wöchentlichen Rhythmus.

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